From Samarkand to Tashkent

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My Route to Tashkent
My Planned Route from Tashkent

I am often asked whether I can still continue walking through this world when war seems to be everywhere and danger appears omnipresent.

“No,” I reply, “most places are actually peaceful.”

Where does this difference in perception come from? I believe it stems from the constant consumption of negative news in a highly concentrated form. People fall into a bad mood that can eventually develop into depression. Yet the real cause is not the wars themselves or their potential personal consequences, but rather the inability to influence what is happening. One wishes to prevent or stop these wars, yet has no power to do so. Like in a movie theater, one sits there and watches helplessly as the situation escalates.

The solution is to become aware, while consuming media, that many events lie outside our sphere of influence. Only those who can clearly distinguish between what can be changed and what cannot can invest their energy and emotions wisely in their own area of influence and live an active and meaningful life. Emotions directed at the unchangeable are wasted and, in the long run, can even become psychologically harmful.

On my way to Tashkent, I heard loud dance music in a remote village, which made me curious. At a school, girls were performing a dance that was being evaluated by a jury. March 8th is International Women’s Day here, a very important celebration honoring women, marked by dancing, music, and the giving of flowers.

I had only planned to take a few photos of the dancing girls, but that turned out to be impossible for the following reason: my presence suddenly drew everyone’s attention to me, and the entire event descended into cheerful chaos. The organizer reacted spontaneously and invited me onto the stage to say a few words. Afterwards, I shook hundreds of hands and exchanged just as many Instagram contacts with the children.

The English teacher invited me to her home, which I gladly accepted since she lived exactly in the direction I was heading and at the perfect distance of about 15 kilometers. Along the way, I stumbled upon another school celebration, and the same scenario repeated itself.

For the final two kilometers, the math teacher—who happens to be the English teacher’s husband—picked me up by car. It took some effort to convince him that I preferred to walk that last stretch as well.

When we arrived at their house, the real surprise of the day awaited me: an entire English class was already there, waiting for my arrival. That day, I was to give the private English lesson. I did so spontaneously for a full two hours. Afterwards, we broke the Ramadan fast together with the students (iftar), enjoying plov and a lively evening together.

The next morning, at 7:00 a.m. after breakfast, two of the English students came to accompany me for part of my journey. This was particularly remarkable because Zilola (17) and Zunnura (14) are Muslim girls. It reflects a certain openness in society that we could hike together for about 10 kilometers. During the walk, we spoke in English, giving them an additional opportunity to practice the language.

For both of them, it was the first time they had ever spoken with a native English speaker—or at least that’s how it felt to them. In reality, I am not one myself, but that didn’t matter to them. For me, it was fascinating to learn how they spend the month of Ramadan and what goals they pursue.

I had only walked alone for a short while when suddenly my friend Vladimir appeared in front of me. It was a surprise for me, although I had shared my location with him earlier, which allowed him to find me quickly by taxi.

Together we walked 20 kilometers across the entire city of three million people, all the way to its far northeastern edge, where he lives with his wife Ludmilla.

Tashkent is a modern industrial city with relatively few ancient monuments. After the devastating earthquake of 1966, large parts of the city were rebuilt from scratch. Nevertheless, there is much to see and experience in Central Asia’s largest city.

I will pause here for a week until Guang arrives, and then we will continue walking together toward Kazakhstan and Kyrgyzstan

Deutsch

Oft werde ich gefragt, ob ich noch weiter durch diese Welt laufen kann, wo doch allgegenwärtig Krieg herrscht und es überall gefährlich ist. Nein, antworte ich, die meisten Orte sind friedlich! Woher kommt diese unterschiedliche Wahrnehmung? Ich glaube, weil alle negativen Nachrichten immerfort in hochkonzentrierter Form konsumiert werden. Die Leute geraten in schlechte Laune, die sich dann zu einer Depression entwickelt. Dabei sind nicht die Kriege selbst und deren mögliche persönliche Auswirkungen die Ursache, sondern die Unmöglichkeit in dieses Geschehen einzugreifen. Man möchte die Kriege verhindern oder stoppen, ist aber dazu nicht in der Lage. Wie in einem Kinofilm sitzt man da und schaut immerfort ohnmächtig zu, wie sich die Lage zuspitzt. Die Lösung liegt darin, sich beim Medienkonsum bewusst zu machen, dass die Geschehnisse ausserhalb des eigenen Einflussbereiches liegen. Nur wer klar zwischen änderbaren und unabänderlichen Dingen unterscheiden kann, der kann seine Energie und Gefühle sinnvoll in den eigenen Wirkungsbereich investieren und ein sinnerfülltes aktives Leben geniessen. Jedenfalls sind Emotionen am Unabänderlichen vergeudet und wirken auf Dauer pathologisch.

Auf dem Weg nach Tashkent hörte ich in einem abgelegenen Dorf laute Tanzmusik, die mich neugierig machte. In einer Schule führten die Mädchen einen Tanz auf, der von einer Jury bewertet wurde, denn am 8. März ist hier Frauentag, ein sehr wichtiges Fest aller Frauen, welches mit Tanz, Musik und Blumengeschenken gefeiert wird. Ich wollte eigentlich nur ein paar Fotos von den tanzenden Mädchen aufnehmen, aber das war nicht möglich aus folgendem Grund: meine Anwesenheit lenkte die ganze Aufmerksamkeit auf mich, so dass die gesamte Veranstaltung ins Chaos abglitt. Der Veranstalter reagierte spontan, indem er mich auf der Bühne ein paar Worte sagen, lies. Anschliessend durfte ich hunderte von Händen schütteln und ebenso viele Instagram-Kontakte mit den Kindern teilen. Die Englischlehrerin lud mich zu ihr nach Hause ein, was ich gerne annahm, da sie in der richtigen Richtung und der idealen Distanz von 15 km wohnte. Unterwegs geriet ich noch einmal in eine Schulfeier und das Spiel wiederholte sich. Die letzten 2 km wurde ich vom Mathelehrer, dem Ehemann der Englischlehrerin mit dem Auto abgeholt. Es brauchte eine ganze Weile, bis ich durchsetzen konnte, auch diese Strecke zu Fuss laufen zu dürfen. An ihrem Haus angekommen, erwartete mich die eigentliche Überraschung des Tages: eine ganze Englischklasse wartete bereits auf meine Ankunft. Heute sollte nämlich ich den Privatunterricht in Englisch geben, was ich spontan für ganze 2 Stunden dann auch tat. Danach gab es mit den Schülern gemeinsam das Fastenbrechen (Iftar) mit Plov und einem unterhaltsamen Abend.

Tatsächlich kamen am nächsten Morgen nach dem Frühstück um 7:00 Uhr zwei der Englisch-Schülerinnen, um mich ein Stück auf meinem Weg zu begleiten. Das ist insbesondere deswegen bemerkenswert, weil Zilola (17) & Zunnura (14) muslimische Mädchen sind. Das zeugt von einer gewissen gesellschaftliche Offenheit, dass wir 10 km zusammen wandern konnten. Währenddessen unterhielten wir uns auf Englisch, so dass sie zugleich zusätzlichen Englischunterricht geniessen konnten. Für die beiden war es das erste Mal, dass sie mit einem englischen Muttersprachler sprechen konnten – zumindest gefühlt, denn ich bin ja selbst keiner, aber das spielte für sie keine Rolle. Für mich war es interessant zu lernen, wie sie den Monat Ramadan verbringen und welche Ziele sie verfolgen.

Ich lief nur ein kurzes Stück alleine bis plötzlich mein Freund Vladimir vor mir stand. Das war eine Überraschung für mich, doch ich hatte ihm zuvor meine Standortfreigabe gegeben, so dass er mich mit einem Taxi rasch finden konnte. Zusammen liefen wir 20 km durch die gesamte 3-Millionen-Stadt bis in dessen äussersten Nordosten, wo er mit seiner Frau Ludmilla wohnt.

Tashkent ist eine moderne Industriestadt, die nur wenige Altertümer aufweist. Insbesondere nach dem verheerenden Erdbeben 1966 wurden Grossteile der Stadt völlig neu aufgebaut. Dennoch gibt es viel zu sehen und zu erleben in der grössten Stadt Zentralasiens. Ich werde hier eine Woche pausieren, bis Guang anreist und wir gemeinsam weiter in Richtung Kasachstan und Kirgistan laufen.

中文

人们经常问我,在这个似乎到处都是战争、充满危险的世界里,我是否还能继续这样徒步前行。

我回答:“不,其实世界上大多数地方仍然是和平的。”

为什么人们会有如此不同的感受呢?我认为,这是因为人们不断以高度集中的形式消费各种负面新闻。久而久之,人们的情绪会变得低落,甚至可能发展为抑郁。其实问题并不在于战争本身或它们可能带来的个人影响,而在于人们无法对这些事情产生任何影响。人们希望阻止或结束战争,却无能为力。就像坐在电影院里一样,人们只能无助地看着局势不断升级。

解决办法是,在接触媒体信息时要意识到:许多事情其实超出了我们个人的影响范围。只有那些能够清楚区分哪些事情可以改变、哪些事情无法改变的人,才能把自己的精力和情感投入到真正属于自己影响范围的事情上,从而过上积极而有意义的生活。把情绪浪费在无法改变的事情上,长久来看只会对心理健康产生不良影响。

在前往塔什干的路上,我在一个偏远的村庄听到了响亮的舞曲,这引起了我的好奇心。在一所学校里,一群女孩正在表演舞蹈,由评委进行评分。因为这里在3月8日庆祝妇女节,这是一个非常重要的节日,人们用舞蹈、音乐和鲜花来庆祝所有女性。

我原本只是想给这些跳舞的女孩拍几张照片,但很快发现这几乎不可能。原因是:我的出现立刻吸引了所有人的注意力,整个活动很快变得热闹而有些混乱。组织者临时做出了决定,请我上台说几句话。随后,我和孩子们握了几百次手,也交换了同样数量的 Instagram 联系方式。

英语老师邀请我去她家做客。我很高兴地接受了邀请,因为她家正好在我前进的方向上,而且距离大约15公里,非常合适。途中我又遇到了一场学校庆祝活动,几乎同样的情景再次上演。

最后两公里,数学老师——也就是那位英语老师的丈夫——开车来接我。不过我花了一些时间才说服他们,让我把最后这一段路也走完。当我们到达他们家时,真正的惊喜出现了:整整一个英语班的学生已经在那里等着我。原来那天我要给他们上一堂英语私教课。我临时当起了老师,整整上了两个小时。之后,我们和学生们一起进行了开斋饭(Iftar),吃了抓饭(Plov),度过了一个非常愉快的夜晚。第二天早上7点吃完早餐后,两位英语班的学生来陪我走一段路。这件事特别值得一提,因为 Zilola(17岁)和 Zunnura(14岁)都是穆斯林女孩。我们能够一起徒步10公里,这也体现了当地社会的一种开放与信任。在路上我们用英语交谈,她们也因此获得了一次额外的英语练习机会。

对她们来说,这是第一次与一位英语母语者交谈——至少她们是这样认为的。事实上我自己也并不是英语母语者,不过这对她们来说并不重要。对我而言,了解她们如何度过斋月以及她们未来的目标,也是一件很有意思的事情。我独自走了没多久,突然我的朋友 Vladimir 出现在我面前。这让我非常惊讶。不过此前我已经把自己的实时位置分享给他,所以他很快就乘出租车找到了我。随后我们一起徒步20公里,穿过这座拥有300万人口的城市,一直走到城市东北部的尽头,那里是他和妻子 Ludmilla 的家。塔什干是一座现代化的工业城市,历史古迹相对较少。尤其是在1966年那场毁灭性的地震之后,城市的大部分地区都被重新建设。不过,作为中亚最大的城市,这里依然有很多值得参观和体验的地方。

我将在这里停留一周,等待光(Guang)到来。之后我们将一起继续徒步前往哈萨克斯坦和吉尔吉斯斯坦。

Comments

One response to “From Samarkand to Tashkent”

  1.  Avatar
    Anonymous

    Mit zunehmender Bewunderung lese ich deine Berichte und freue mich auf den nächsten, viel Glück Christian

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