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Meine Abreise rückt näher! Ich erzähle häufig und mit Begeisterung von meinem Vorhaben. In den Gesprächen kommen einige Fragen auf, die ich hier gerne beantworte.
Läufst du die gesamte Strecke zu Fuss?
Ja, ich plane die gesamte Strecke zu gehen, ohne auf andere Transportmittel zurückzugreifen. Ich betrachte die Reise als Experiment, um herauszufinden, ob so etwas nicht nur theoretisch möglich ist.
Kommst du zwischendurch nach Hause zurück?
Wenn äussere Umstände mich nicht dazu zwingen, würde ich versuchen, alles in einem Stück zu laufen. Allerdings habe ich meine Route von West nach Ost so gewählt, dass ich im Mai/Juni 2025 einen Zwischenstopps in Zürich und Wiesbaden einlegen kann.
Wann startest du?
Mein letzter Arbeitstag ist Freitag, der 21. Februar 2025. Nach einem Wochenende mit Abschiedfeiern und Vorbereitungen werde ich am Montag früh, den 24. Februar 2025, die Reise antreten.
Wie erreicht man dich?
Per E-Mail unter rainer@mautz.net. Hier auf http://www.mautz.blog könnt ihr meine Reise verfolgen, indem ihr den Blog abonniert. Dort werde ich wöchentlich bis monatlich Updates posten. Meine tagesaktuelle Position findet ihr während der Reise auf Polarsteps.
Wie verläuft deine Route?
Entlang der Südküste von Spanien und Frankreich, mit einem Umweg über die Schweiz und Deutschland durch Osteuropa, die Türkei, den Kaukasus, den Iran nach Zentralasien. Nach einem weiteren Umweg über die Mongolei geht es durch China, Indochina bis nach Singapur. Meine geplante Route findet ihr hier.
Warum läufst du einen Umweg in Europa und in Asien?
In Europa laufe ich einen Umweg von 700 km, um meinen Vater und Freunde in Wiesbaden zu besuchen. In Asien wähle ich den Umweg über die Mongolei und China, da die südliche Route zu riskant ist: Pakistan zu Fuss zu durchqueren, ist gefährlich, und die Grenzübergänge nach Myanmar sind geschlossen.
Warum hast du gerade diese Strecke ausgesucht?
Die Strecke von Portugal nach Singapur ist die längste Route innerhalb von Eurasien (länger als bis nach Kamtschatka!). Ausserdem sind Guang und ich den Jakobsweg nach Sagres in Portugal gelaufen und setzen dort die Reise fort.
Was nimmst du mit?
Auf dem Rücken zählt jedes Gramm. Meine Packliste umfasst nur das Nötigste und ergibt ein Basisgewicht für den Rucksack von 4 Kg. Dazu kommt die Campingausrüstung mit 1.3 Kg, die ich nach dem Verlassen von Mitteleuropa benötigen werde.

Ausserhalb des Rucksacks trage ich am Körper: Kleidung (800g), Schuhe (700g), Wanderstöcke (400g) sowie Handy & Kopfhörer in der Hosentasche (300g).

Dazu nehme ich je nach Etappenlänge Essen und Trinken mit. Typischerweise sind das ein Liter Wasser und 500 g Nüsse oder ähnliches Trockenfutter pro Tag. Dazu kommen noch Kaffee, Tee, und Milchpulver. Ungewöhnlich erscheint der elektrische Wasserkocher (420g). Doch er ermöglicht uns warme Getränke zuzubereiten und das unabhängig von Öffnungszeiten – vom Morgenkaffee bis zum Tee am Abend. Auch Guangs Nudeln am Morgen können wir damit zubereiten. Klar, überflüssig ist der E-Kocher während der wilden Zeltnächte, welche aber zumindest in Europa die Ausnahme sein werden. Wenn Guang dabei ist, übernehme ich einen Teil ihres Gepäcks.


Mit welchen Schuhen läufst du?
Wir laufen in Sandalen, die an Clownschuhe erinnern. Vorne sind sie breit und bieten daher viel Bewegungsfreiheit für die Zehen. Und weil sie luftig sind, bildet sich kein Schweiss. Blasen laufen wir in diesen Schuhen eigentlich nie. Zwar werden die Schuhe bei Regen nass, dafür trocknen sie danach aber wieder rasch. Die Füsse bleiben in den wasserdichten Socken trocken.

Läufst du alleine?
Guang wird mich abschnittsweise begleiten. Die ersten drei Wochen ist sie dabei, die darauffolgenden drei Wochen nicht. Weitere Planungen erfolgen schrittweise. Du bist aber auch herzlich eingeladen, ein Stück mitzulaufen – ich würde mich freuen!
Wie findest du den richtigen Weg?
Hauptstrassen meiden wir, ausser es gibt keine Alternative. In Europa müssen wir etwa 10 % der Strecke auf verkehrsreichen Strassen zurücklegen. Ansonsten laufen wir auf Waldwegen, Feldwegen, Radwegen, Pfaden, Nebenstrassen, Stränden und manchmal auch querfeldein. Wir folgen selten beschilderten Wanderrouten, da ich es liebe, meinen eigenen Weg zu finden. Dafür nutze ich OpenStreetMap-Daten, die fast alle begehbaren Wege enthalten. Die App Maps.me bietet ein Offline-Routing speziell für Fussgänger. Google Maps verwende ich normalerweise nicht, da dort viele Fusswege fehlen und das Routing oft auf Strassen beschränkt ist.

Wo übernachtest du und wie findest du eine Unterkunft?
Wenn möglich, versuchen wir am Abend, eine Unterkunft mit Bett und Dusche zu erreichen. Wir buchen jedoch keine Übernachtungen im Voraus. Jeder Tag wird einzeln geplant und darf gerne einen spontanen Verlauf nehmen. Auf der Karte von Booking.com verschaffen wir uns einen Überblick über die verfügbaren Unterkünfte. Falls wir dort nicht fündig werden, schauen wir auf Airbnb oder Google-Maps. Damit decken wir die gesamte Bandbreite ab – vom Matratzenlager bis zum 5-Sterne-Hotel. Besonders schön sind die Abende in Privatunterkünften, wo wir mit den Gastfamilien am Tisch sitzen und gemeinsam Abendessen.

Hast du keine Angst vor gefährlichen Tieren?
Die Gefahr von wilden Raubtieren wird meiner Meinung nach überschätzt. Die grösste Gefahr geht vom Menschen selbst aus. Allerdings haben wir grossen Respekt vor Hunden, die uns als Eindringling betrachten. Bisher sind wir immer unverletzt geblieben, indem wir nie geflüchtet sind und gegebenenfalls einen Stein aufgehoben haben – oder so getan haben, als hätten wir einen Stein aufgehoben.
Worin siehst du die grösste Schwierigkeit?
In Zentralasien erwarten mich visatechnische Herausforderungen aber auch unsichere Länder und Kontinentalklima mit Extremtemperaturen.
Wie finanzierst du deine Reise?
Von unseren Ersparnissen. Während sich andere ihren Traum mit einem schicken Sportwagen erfüllen, werde ich für eine solche Ausgabe mehrere Jahre unterwegs sein – sogar bei einem Tagesbudget von 100 Euro.
Warum machst du eine solche Reise?
Es ist mein Traum. Unsere Wanderungen durch Europa haben uns sehr viel Freude bereitet.

Warum fährst du nicht mit dem Fahrrad?
Mit dem Fahrrad habe ich bereits 1990 die Welt umrundet. Als Radfahrer ist man auf Strassen unterwegs und rast oft an interessanten Orten vorbei. Mit dem Fahrrad wäre ich viermal so schnell, mit dem Auto 25-mal und mit dem Flugzeug 500-mal so schnell am Ziel. Aber das Ziel ist die Reise selbst – und die Glücksgefühle nehmen proportional mit der Langsamkeit zu.

Lässt du dir erneut die Haare wachsen?
Ja, tatsächlich plane ich mir zu Beginn der Wanderung den Kopf kahl zu rasieren und die Haare dann wachsen zu lassen. Sollten sie mich jedoch stören, würde ich sie auch vorzeitig abschneiden.
Wann kommst du zurück?
Ich lege bewusst keinen festen Rückkehrzeitpunkt fest, um uns nicht unter Druck zu setzen. Bei bisherigen Wanderungen liefen wir 30–40 km pro Tag. Ob wir dieses Tempo auf Dauer durchhalten können und wollen, wird sich herausstellen. Die Möglichkeit, länger an einem Ort zu verweilen, finden wir ebenfalls attraktiv. Idealerweise würde ich den Kaukasus vor dem Wintereinbruch 2025/26 und die Mongolei vor dem Winter 2026/27 durchqueren.
Was machst du nach der Reise?
Das haben wir noch nicht geplant. Aktuell steht diese Reise im Fokus.

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