Nukus – Winter Journey from Russia to Turkmenistan

Deutsch unten / 中文下边 

My last entry here was over a month ago, which has led to concerned inquiries about whether everything is still alright with me. I also understand that not everyone is willing to download the Polarsteps app to read my daily updates there.

After three very interesting and diverse weeks in Russia, I was relieved to leave the country, especially since on the final night, a drone warning SMS arrived at 3 a.m., advising me to stay away from windows and expect internet shutdowns. The crowning conclusion to my time in Russia was the departure process. At Russian passport control, my check took an unusually long time, and in the end, my passport was not returned. After a while, I was escorted to an interrogation room, where I had to unlock and surrender my phone. Three border police officers handled my case: one typed incessantly on my phone, another reviewed my data on a computer while communicating with the first, and the third distracted me by asking trivial questions. I had never before been forced to hand over my unlocked phone to strangers. It was deeply uncomfortable, as it felt like a complete invasion of privacy. However, I knew I had no choice and had to endure the procedure if I wanted to leave Russia. After what felt like an eternity—though likely around 20 minutes—the process finally ended, and my passport and phone were returned.

In Kazakhstan, the distances between towns grew longer, which explains my long daily stretches. The alternative—camping in the wilderness—was hardly appealing due to sub-zero temperatures, wolves, isolation, and long nights without electricity, internet, water, or morning coffee. I preferred to walk a few extra hours to avoid a night in the tent. In fact, on this journey, I’ve only had to camp outdoors four times! For the other 265 nights, I found alternative accommodations (though the first four of the eight total camping nights were by choice).

In Kazakhstan, mosques are open for overnight stays. They are unheated but provide mats and blankets. Some nights, I had the space entirely to myself, undisturbed. There was always an electrical outlet, allowing me to use my electric kettle to make hot tea or coffee.

The remarkable hospitality in Kazakhstan offered another way to spend the night: many families took me in privately. There’s always a spot on the floor, and they themselves sleep on rolled-out mats. Such evenings in company can be wonderful. I was often invited to share dinner with the family. Payment was never allowed—even offering could be seen as insulting—but I could share my story, which they proudly forwarded to friends on Instagram with photos. However, private stays can also become exhausting, such as when vodka is involved. Linguistic and cultural differences can easily lead to misunderstandings. It starts with where to sit for meals—always to the right of the host. On one occasion, I had already filled up on offered bread when a warm main course suddenly appeared. Fortunately, I have a highly stretchable stomach, so I didn’t have to disappoint my hosts.

In Uzbekistan, the distances grew even longer: in the Karakalpakstan province in the far northwest, there are no hotels or villages for hundreds of kilometers! I walked along a single-track railway line on its maintenance path, free of traffic. For days, I moved in a straight line through monotonous steppe, with no villages, mountains, trees, or other features. But I cherished this time, which one rarely experiences in life. I entered an almost meditative state and looked forward to continuing each day. It brought me great joy to reflect on my past life in vivid detail, recalling long-forgotten memories. The wonderful part of this stretch was that every 20–25 km, there was an isolated hut belonging to railway workers, who warmly welcomed me to stay and share meals! With long daily distances, I could reach one station by lunchtime and the next by nightfall. This continued almost uninterrupted for days, as if I had booked an all-inclusive stay!

After 400 km, I left the Ustyurt Plateau and the desert behind, reaching the green and populated valley of the Amudarya River, which flows into the Aral Sea. Or more accurately, flowed—today, the river no longer reaches the sea, or what remains of it.

I have now arrived in Nukus, the capital of Karakalpakstan, where I’m taking a three-day break because I’ve been walking too fast! Guang will only fly here on December 18, and we can cross the border into Turkmenistan together on December 22. Entering Turkmenistan is necessary for me because I cannot stay in Uzbekistan (like all Central Asian countries) for more than 30 consecutive days. However, free travel is not permitted in Turkmenistan, so a travel agency will accompany us with a vehicle while we walk.

In general, I need to wait out the winter as far south as possible before starting the long journey northeast toward Mongolia, as I am two months ahead of schedule. Since starting in Portugal, I’ve averaged 38 km per day, and excluding 17 rest days, even 40 km per walking day. I plan to reduce this pace a bit in the future.

Deutsch

Mein letzter Eintrag hier ist schon über einen Monat her, sodass sich schon besorgte Nachfragen bekomme, ob denn noch alles bei mir in Ordnung sei. Ich verstehe auch, dass nicht jeder bereit ist, sich das Polarsteps-App herunterzuladen, um dort meine täglichen Berichte zu lesen. 

Nach drei sehr interessanten und abwechslungsreichen Wochen in Russland war ich dann doch froh, das Land zu verlassen, zumal noch in der letzten Nacht um 3 Uhr eine Drohnenwarnung per SMS hereinkam. Ich solle mich vom Fenster fernhalten und damit rechnen, dass das Internet abgeschaltet wird. Den krönenden Abschluss aus Russland bildete die Ausreise. Bei der russischen Passkontrolle dauerte es bei mir sehr lange und am Ende wurde mir mein Pass nicht mehr zurückgegeben. Nach einer Weile wurde ich abgeholt und in einen Untersuchungsraum geführt. Dort musste ich mein Handy entsperren und abgeben. Drei Grenzpolizisten bearbeiteten mich nun: einer tippte ununterbrochen auf meinem Handy rum. Der zweite schaute sich irgendwelche Daten von mir auf dem PC an und kommunizierte dabei mit dem Ersten. Und der Dritte lenkte mich ab, in dem er mir fortwährend belanglose Fragen stellte. Noch nie hatte ich mein Handy Fremden ungesperrt abgeben müssen. Das war sehr unangenehm, weil es wirklich die gesamte Privatsphäre entblösst. Aber mir war klar, dass ich keine andere Wahl habe und diese Prozedur durchhalten muss, wenn ich Russland verlassen will. Nach einer gefühlten Ewigkeit, vermutlich aber etwa 20 Minuten, war die Prozedur endlich zu Ende und ich bekam meinen Pass und Handy wieder ausgehändigt.

In Kasachstan wurden die Strecken zwischen den Ortschaften immer grösser, was auch meine grossen Tagesetappen erklärt.  Die Alternative, nämlich das Campieren in der Wildnis ist wenig attraktiv aufgrund der Minusgrade, der Wölfe, der Einsamkeit, der langen Nächte ohne Strom, Internet, Wasser und dem Morgenkaffee.  Da laufe ich lieber noch ein paar Stunden mehr, um eine Nacht im Zelt zu vermeiden. Tatsächlich habe ich auf dieser Reise erst vier mal im Freien übernachten müssen! Alle andern 265 Nächte habe ich eine andere Lösung gefunden (wobei die ersten vier der insgesamt acht Zeltnächte freiwillig waren). 

In Kasachstan stehen die Moscheen für Übernachtungen offen. Sie sind zwar nicht geheizt, aber es gibt Matten und Decken. Einige Nächte hatte ich dort ganz ungestört und ganz alleine verbringen können. Auch fand sich immer eine Steckdose, sodass ich mit meinem elektrischen Wasserkocher heissen Tee und Kaffee zubereiten konnte.

Die grosse Gastfreundschaft in kasachstan eröffnete mir noch eine weitere Möglichkeit, die Nacht zu verbringen: viele Nächte haben mich Familien privat aufgenommen. Ein Plätzchen auf dem Boden findet sich immer und sie selbst rollen zum Schlafen ebenfalls eine Matte aus. Solche Abende in Gesellschaft können wunderbar sein. Meist durfte ich gemeinsam mit der Familie zu Abend essen. Bezahlen durfte ich nicht und sogar eine Bezahlung anzubieten kann beleidigend sein, aber ich konnte meine Geschichte erzählen, die dann mit Fotos stolz ihren Freunden auf Instagram weitergeleitet wird. Allerdings kann eine Privatübernachtung auch anstrengend werden, wenn zum Beispiel Wodka im Spiel ist. Die sprachlichen und kulturellen Unterschiede können auch leicht zu Missverständnissen führen. Das fängt schon damit an, wo ich mich zum Essen hinsetzen sollte, nämlich ich zur rechten Seite vom Gastgeber. Oder einmal hatte ich mich am angebotenen Brot schon satt gegessen, als plötzlich noch eine warme Hauptmahlzeit serviert wurde. Zum Glück habe ich einen extrem dehnbaren Magen, sodass ich, die Gastgeber nicht enttäuschen musste.

In Usbekistan wurden die Distanzen noch grösser: In der Provinz Karakalpakstan im äussersten Nordwesten von Usbekistan gibt es über hunderte von Kilometern kein Hotel und auch keine Dörfer! Ich lief entlang der einspurigen Eisenbahnlinie auf dessen verkehrsfreiem Unterhaltsweg. Tagelang ging das auf diese Weise schnurstracks geradeaus durch abwechslungarme Steppe, ohne Dörfer, Berge, Bäume oder sonstigen Features. Aber ich genoss diese Zeit, die man sonst im Leben nicht hat. Ich kam quasi in einen meditativen Zustand und freute mich täglich auf dessen Fortsetzung. So machte es mir grosse Freude, mich an mein bisheriges Leben mit allen Details zurückzuerinnern und schon lägst Vergessens wieder ins Bewusstsein zurufen. Das wunderbare an diesem Abschnitt war, dass es alle 20-25 km eine einsame Hütte der Gleisarbeiter gibt, die mich herzlich zum übernachten und gemeinsamen Essen willkommen hiessen! Mit grossen Tagesetappen konnte ich pünktlich zum Mittagessen eine Station erreichen und die nächste bei Einbruch der Dunkelheit. Und das ging fast ununterbrochen tagelang so, als hätte ich Vollpension gebucht! 

Nach 400 km habe ich das Ustjurt-Plateau und damit auch die Wüste hinter mir gelassen und das grüne und bevölkerte Tal des Flusses Amudarja erreicht, der in den Aralsee mündet. Genauer müsste man in der Vergangenheit sagen mündete, denn heute erreicht der Fluss den See, oder was davon noch übrig geblieben ist, gar nicht mehr. 

Jetzt habe ich die Grosstadt Nukus, Hauptstadt der Provinz Karakalpakstan erreicht, wo ich gleich drei Tage Pause einlege, denn ich bin zu schnell gelaufen! Erst am 18. Dezember wird Guang hierher fliegen und erst am 22. Dezember können wir gemeinsam die Grenze nach Turkmenistan passieren. Die Einreise nach Turkmenistan wird für mich deswegen notwendig, weil ich mich in Usbekistan (wie in allen Ländern Zentralasiens) nicht mehr als 30 Tage am Stück aufhalten darf. In Turkmenistan ist aber das freie Reisen nicht erlaubt. Daher wird uns eine Reiseagentur mit einem Fahrzeug beim Wandern begleiten.

Generell muss ich möglichst im Süden den Winter abwarten, bevor ich den langen Weg nach Nordosten in Richtung Mongolei antrete, denn ich bin gegenüber meiner Planung zwei Monate voraus. Seit meinem Start in Portugal habe ich einen Tagesdurchschnitt von 38 km und wenn man die 17 Pausentage herausnimmt, sogar 40 km pro Wandertag. Das möchte ich zukünftig ein bisschen reduzieren.

中文

我上一次在这里更新已经是一个多月前了,因此收到了不少关心的询问,问我是否一切安好。我也理解,并不是每个人都愿意下载Polarsteps应用程序来阅读我的每日报告。

在俄罗斯度过了三周丰富多彩的时光后,离开这个国家让我感到欣慰,尤其是在最后一晚凌晨三点收到了无人机警告短信,提醒我远离窗户,并预计网络可能会被切断。离开俄罗斯的过程可谓“锦上添花”。在俄罗斯护照检查处,我的审核耗时异常漫长,最终护照也没有归还。过了一会儿,我被带到一间询问室,要求解锁并交出手机。三名边防警察处理了我的案件:一人不停地在我手机上打字,另一人在电脑上查看我的数据并与前者交流,第三人则不断用无关紧要的问题分散我的注意力。我从未被迫将未锁屏的手机交给陌生人。这让我非常不适,因为感觉隐私被彻底暴露。但我明白,如果想离开俄罗斯,除了忍受这个过程别无选择。在仿佛永恒——可能大约20分钟——的等待后,程序终于结束,我的护照和手机被归还。

在哈萨克斯坦,城镇之间的距离变得更远,这也解释了我为何每天长途跋涉。另一种选择——在荒野露营——由于零下气温、狼群、孤独感,以及没有电力、网络、水和早晨咖啡的长夜,几乎毫无吸引力。我宁愿多走几个小时,也不愿在帐篷里过夜。实际上,这段旅程中我只在户外露营了四次!其余265晚我都找到了其他住处(尽管八次露营中的前四次是自愿的)。

在哈萨克斯坦,清真寺提供过夜住宿。虽然不供暖,但有垫子和毯子。有些夜晚,我可以独自一人安静地度过。那里总能找到插座,让我能用电动烧水壶泡热茶或咖啡。

哈萨克斯坦的热情好客提供了另一种过夜方式:许多家庭私下接待了我。地上总能找到一块地方,他们自己也会铺上垫子睡觉。这样的夜晚相伴非常美好。我常被邀请与家人共进晚餐。不允许付钱——甚至提出付钱都可能被视为冒犯——但我可以分享我的故事,他们会自豪地配上照片转发给Instagram上的朋友。不过,私人住宿也可能令人疲惫,比如当伏特加出现时。语言和文化差异很容易导致误解。从吃饭时我该坐哪里开始——总是坐在主人右侧。有一次,我已经吃饱了提供的面包,却突然端上了一道热腾腾的主菜。幸运的是,我的胃弹性极佳,没有让主人失望。

在乌兹别克斯坦,距离变得更长:在最西北的卡拉卡尔帕克斯坦省,数百公里内没有酒店或村庄!我沿着单线铁路的维护通道行走,没有车辆干扰。一连数日,我笔直穿越单调的草原,没有村庄、山川、树木或其他景致。但我珍惜这段人生中难得的时光,几乎进入了一种冥想状态,每天都期待继续前行。回忆过去生活的点滴细节,唤醒早已遗忘的记忆,让我感到无比愉悦。这段路程的美妙之处在于,每20-25公里就有一个铁路工人的孤寂小屋,他们热情地欢迎我过夜并共享餐食!通过长途跋涉,我可以在午餐时分到达一个站点,在夜幕降临时到达下一个。这几乎连日不断,仿佛我预订了全包住宿!

走了400公里后,我离开了乌斯秋尔特高原和沙漠,来到了阿姆河绿色且人口稠密的河谷地带,这条河曾流入咸海。更准确地说,是曾经流入——如今,这条河已不再汇入咸海,或者说不再汇入咸海的残余部分。

现在我已抵达卡拉卡尔帕克斯坦的首府努库斯,并在此休息三天,因为我走得太快了! 光要到12月18日才飞到这里,而我们只能在12月22日一起穿越土库曼斯坦边境。进入土库曼斯坦对我来说是必要的,因为我不能在乌兹别克斯坦(像所有中亚国家一样)连续停留超过30天。然而,土库曼斯坦不允许自由旅行,因此一家旅行社将驾车陪同我们步行。

总的来说,我需要尽可能在南方度过冬天,然后再开始向蒙古方向的东北长途之旅,因为我的行程比计划提前了两个月。从葡萄牙出发以来,我平均每天走38公里,扣除17天休息日,每个步行日甚至达到40公里。我打算未来稍微放慢节奏。


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6 responses to “Nukus – Winter Journey from Russia to Turkmenistan”

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    Lieber Rainer,

    einen Guten Rutsch wünschen Dir und Guang

    Peter, Birgit, Jacqueline und Dominik

    aus Kirchseeon und Kaiserslautern

    …so weit die Füße tragen …. Passt weiter gut auf Euch auf!

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      Liebe Birgit, Peter, Jacqueline und Dominik! Danke, wir sind gut in das Jahr 2026 gekommen. Wir haben geschlafen. Liebe Grüsse aus Turkmenistan, Rainer & Guang

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    Lieber Rainer

    unglaublich und sehr schön geschildert. Ich wünsche Dir weiterhin eine tolle Wanderung.
    viele Grüße Liane

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  3. eaglegracefullyc904a143a4 Avatar
    eaglegracefullyc904a143a4

    Lieber RainerDeine Beschreibung ist wie eine Weihnachtsgeschichte, e

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    Rainer. I have a new video of me reflecting on the 22,000 miles that I’ve walked over the past 15 years, but you have far exceeded my abilities and I love the fact that you found a sofa in the middle of nowhere to sit in… I salute you and admire you. Take care and keep walking. You are the real geographer. Joseph.

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    1. mautz.blog Avatar

      I would love to see your video. How can I access it?

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